Kastration - warum eigentlich?

Die Folge der unkastrierten Katzen in Zahlen

Trotz aller Aufklärung sind noch immer sehr viele Katzen unkastriert, so dass im Frühjahr und Herbst die Zahl der herrenlosen Katzen sprunghaft ansteigt und auf diese Weise wiederum das Elend vergrößert.

Man geht davon aus, dass ein Katzenpärchen im Jahr zweimal Junge bekommt, von denen durchschnittlich 2,8 Tiere überleben, die sich wiederum bereits im Alter von 6 Monaten weiter fortpflanzen:

nach 1 Jahr: 12 Katzen
nach 2 Jahren: 66 Katzen
nach 3 Jahren: 382 Katzen
nach 4 Jahren: 2.201 Katzen
nach 5 Jahren: 12.680 Katzen
nach 6 Jahren: 73.041 Katzen
nach 7 Jahren: 420.715 Katzen
nach 8 Jahren: 2.423.316 Katzen
nach 9 Jahren: 13.958.290 Katzen
nach 10 Jahren: über 80 Millionen Katzen

Wer kümmert sich nun um ca. 80 Millionen Katzen?


Katzenelend als Folge von unkastrierten Katzen

In 10 Jahren leben somit 80 Millionen Katzen in unseren Gärten, Wälder, Felder, Industriegeländen, Fried- und Bauerhöfen. Diese Tiere kämpfen täglich ums Überleben. Revierkämpfe und Hunger stehen auf der Tagesordnung. Die meisten Katzen sind abgemagert und mit Parasiten überseht. Doch nicht nur die Kämpfe mit den Artgenossen führen zu regelmäßigen Wunden, sondern auch die Auseinandersetzungen mit wildlebenden Tieren wie Füchsen und Waschbären. Die Übertragungsrate von Krankheiten, wie Tollwut, wird dadurch erhöht und stellt für uns Menschen eine Gefahr da. Neben den täglichen Problemen kommt, sobald es am Tag mindestens 12 Stunden hell ist - also von Februar bis September -, die hormonelle Umstellung hinzu: Die Paarungszeit der Katzen beginnt.
Die Dauer der Rolligkeit (Paarungsbereitschaft der Katze) beträgt zwischen fünf bis zehn Tage. Wird die Katze nicht gedeckt, wiederholt sich die Rolligkeit etwa alle zwei bis drei Wochen. Bei Wohnungskatzen ist die Rolligkeit an keine Jahreszeit gebunden. Wir Menschen nehmen die Rolligkeit der Katze durch die verstärkte Geräuschabgabe wahr. Meist hört man gurrende Geräusche, wie bei einer Taube, und lautstarkes Miauen. Nicht nur für uns Menschen ist diese Situation unangenehmen. Auch für die Katze stellt die Rolligkeit eine Stresssituation dar.


Der Paarungsakt der Katze

Am Anfang der Rolligkeit wird der Kater oft noch mit fauchen und ausgefahrenen Krallen versucht zu vertreiben. Ist die Katze bereit, duckt sie ihren Vorderkörper nach unten und erhebt den Hinterleib, während sie mit den hinteren Beinen tänzelt, nach oben. Um sich festzuhalten beißt der Kater in den Nacken der Katze und sichert seinen Halt mit den Krallen. Der Deckakt ist noch schmerzhafter für die Katze: Nachdem der Kater eingedrungen ist und ejakuliert hat, zieht er seinen Penis der mit Widerhaken besetzt ist, aus der Katze. Dieser krampfartige starke Schmerz löst den Eisprung aus. Die Katze schreit vor Schmerzen.Der Paarungsakt kann mit unterschiedlichen Kate vollzogen werden. Daher kommt es auch zu einem bunten Wurf von schwarzen, getigerten und roten Katzen.


Ihre Verantwortung als Katzenbesitzer

Ob Wohnungskatze oder Freigängerkatze - Sie als Katzenbesitzer sind verantwortlich für die Gesundheit ihres Tieres. Der Gesundheitszustand lässt sich in psychisch und physisch einstufen: Wie fühlt sich meine Katze? Tut ihr etwas weh? Oft werden diese Fragen bei der Überlegung, ob man eine Katze oder einen Kater kastriert, nicht berücksichtigt. Viel mehr zählt manchmal der finanzielle Faktor. Wir möchten Ihnen erklären, welche Folgekosten auf Sie zukommen können, wenn die Katze oder der Kater nicht kastriert wird.


Warum sollten Wohnungskater kastriert werden

Wenn der Kater geschlechtsreif ist, fängt er meist an in der gesamten Wohnung - also seinem Revier - zu markieren. Nach einer Kastration kann sich das Verhalten komplett einstellen. Studien haben ergeben, dass ca. 90 - 95 % der kastrierten Tiere das markieren einstellen. Der Gestank des Urins von einem unkastrierten Kater ist sehr penetrant. Sind Sie z. B. unterwegs und der Kater markiert früh am Morgen die Couch, so zieht dieser Gestank tief in das Polster ein. Aber auch der heruntergelaufener Urin an der Tapete ist kein schöner Anblick. Schnell summieren sich die Kosten für die Neuanschaffung von Möbel sowie die Beträge für die Renovierungsarbeiten. Kastrierte Kater entwickeln eine stärkere Bindung zu ihrer Bezugsperson. Oft stellt man fest, dass die Kater sich beim schmusen mehr "fallen lassen" und die Kuscheleinheiten genießen. So lässt sich eine Beziehung stärken oder/und festigen.


Warum sollten Wohnungskatzen kastriert werden?

Die Rolligkeit stellt für die Katze immer eine große hormonelle Belastung dar. Im Gegensatz zu reinen Freigängerkatzen können Wohnungskatzen das ganze Jahr über rollig werden. Es kann somit passieren, dass die Katze an einer Dauerrolligkeit erkrankt. Wird die Katze nicht gedeckt, so verkürzt sich der Zeitraum, bis die Katze wieder rollig wird (ursprünglich alle zwei bis drei Wochen) immer mehr. Somit bleibt die Ruhephase aus und die Dauerrolligkeit setzt ein. Bei der Dauerrolligkeit spricht man auch von einer "Hormonvergiftung". Diese Dauerbelastung führt in den meisten Fällen zu Verhaltensstörungen. Durch die hormonelle Belastung können Krebserkrankungen wie Brustkrebs und eine Vereiterung der Gebärmutter entstehen.
Katzen, wie auch Kater, egal ob Wohnungskatze, Wohnungskatze mit Freigang oder reiner Freigänger zeigen, dass sie Schmerzen spüren oder eine Belastung mit sich rum tragen, erst viel zu spät. Sie sind wahre Künstler im Verbergen von Problemen und Schmerzen. So kann es also sein, dass Ihre Katze bereits seit Wochen/Monaten organische Probleme hat. Dies ist auch mit ein wichtiger Grund, weshalb wir zur Kastration und regelmäßiger Kontrolle raten. Eine Kastration ist mittlerweile ein Routine-Eingriff. Wird eine Katze wegen einer vereiterten Gebärmutter operiert, muss von Fall zu Fall gehandelt werden. Somit können hier ggf. mehr Komplikationen auftreten als bei einer Kastration. Daher ist neben dem Leid und der Qual des Tieres auch hier auf den finanziellen Aspekt hinzuweisen.


Warum sollten Freigängerkater kastriert werden?

Neben den oben genannten Gründen bei reiner Wohnungshaltung, die auch bei Freigängerkater zutreffen, treten weitere Gefahren auf: Kater streifen, um das richtige Weibchen für die Paarung zu finden, oft tagelang herum und legen unzählige Kilometer zurück. Dabei gehen sie oftmals an ihre Grenzen und vernachlässigen die Wasser- und Nahrungsaufnahme. Sie setzen sich mit anderen Katern in Revierkämpfen auseinander und tragen Verletzungen, die tödlich verlaufen können, davon. Krankheiten wie Katzenleukose (FeLV) und Katzenaids (FIV) können so übertragen werden. Auf ihrer Tour stoßen sie auf stark befahrene Straßen. Durch den hormongesteuerten Trieb setzt jedes Feingefühl für potenzielle Gefahren aus. Die Anzahl an überfahrenen Katzen ist während der Paarungszeit besonders hoch. 


Warum sollten Freigängerkatzen kastriert werden?

Auch hier sind die oben genannten Gründe bei reiner Wohnungshaltung auf Freigängerkatzen zutreffend. Während der Rolligkeit wird der Geschlechtsakt mit unterschiedlichen Kater vollzogen. Dadurch steigt das Verletzungs- und Infektionsrisiko. Durch den Geschlechtsakt können Krankheiten wie Katzenleukose (FeLV) und Katzenaids (FIV) übertragen werden. Es gibt nur eine Lösung für dieses Problem - es muss mehr kastriert werden ! 


Welche Vorteile hat eine Kastration bei Katzen und Kater

  • Unkontrollierte Vermehrung wird verhindert (nach 10 Jahren 80 Millionen Tiere!)
  • Durch die Unterbindung von unkontrollierter Vermehrung wird das Katzenelend eingedämmt
  • Das Geschrei von rolligen Katzen entfällt
  • Der Stress während der Rolligkeit und durch die Aufzucht der Jungen wird vermieden
  • Wird die Hauskatze nicht befruchtet, kann eine Dauerrolligkeit entstehen. Diese wird durch die Kastration verhindert.
  • Psychische Probleme, die durch den nicht ausgelebten Geschlechtstrieb entstehen können, werden verhindert
  • Das Risiko, das sich das Tier mit Katzenaids / FIV oder anderen Krankheiten ansteckt, wird gemindert
  • Krankheiten werden eingedämmt
  • Gebärmuttererkrankungen werden vermindert
  • Der Kater markiert weniger bis gar nicht mehr (90 - 95 % markieren nach der Kastration nicht mehr!)
  • Das Tier streunt weniger, dadurch kommt es zu weniger Revierkämpfe
  • Kämpfe um das Katzenweibchen finden nicht mehr statt
  • Verletzungsgefahr sinkt
  • Tiere des Tierschutzvereins und aus dem Tierheim haben eine größere Chance vermittelt zu werden
  • Das Tier ist anhänglicher und menschenbezogener
  • Kastrierte Katzen haben weniger Tumore an den Milchdrüsen
  • Zusätzliche Kosten, durch die Verpflegung von Katzenwelpen, entfallen

Um mehr Kastrationen finanzieren zu können, brauchen wir zusätzliche Mittel. Deshalb wurde der Verein Katzenzuhause e.V. gegründet, um gezielt bei Tierfreunden für Spenden zur Kastration freilebender Katzen im Main-Kinzig-Kreis werben zu können. In den vergangen Jahren wurden die Kastrationen aus eigenen Mitteln finanziert. Da die Menge der Katzen, welche wir jährlich kastrieren, rapide anstieg, ist dies ohne Ihre Unterstützung nicht mehr zu bewältigen. Mehr Infos finden Sie unter "Patenschaft" und "Spende".Auch suchen wir immer wieder Plätze für wilde Katzen, die nach ihrer Kastration nicht an ihren alten Orten wieder ausgesetzt werden können. Hier sind Menschen gefragt mit zugänglichen Keller, Gartenhäuser  oder Schuppen, die bereit sind, die Tiere auf ihrem Grundstück zuzulassen und zu fütter, aber keine Haus- oder gar Schmusetierer erwarten.

Fazit: Tierschutz ist auch: Rechtzeitige Kastration ALLER Freigänger-Katzen !